2.Reise von Manuela Erber, 2013

Bericht über das zweite Mal in Tshumbe, drei Monate!

Das zweite Mal im Kongo. Ich bin wieder gesund und fit und kann es schon gar nicht mehr erwarten die Kinder wieder zu sehen. Dieses Mal reise ich komplett allein mit extrem viel Gepäck, das ich irgendwie nach Tshumbe bringen muss. In Kinshasa angekommen holen mich schon Bekannte ab, die ich letztes Mal schon kennengelernt habe. In diesen paar Tagen in Kinshasa lerne ich noch viele weitere Menschen kennen, die mir helfen und die sich darüber freuen. Weiters muss ich den Weiterflug für mich organisieren, sodass ich mein ganzes Gepäck mitnehmen kann und ich auch ein Ticket habe. Ich besuche ganz viele verschiedene Hilfsorganisationen in Kinshasa und frage wegen einer Unterkunft für Operationskinder, falls wir wieder einmal welche haben, die in Kinshasa operiert werden sollten. Alles Organisationen, die Waisenkinder aufnehmen und genau für so etwas da wären, doch jeder lehnt ab. Da bin ich dann schon enttäuscht, warum diese keinen Waisenkindern helfen wollen.

Der Flug nach Lodja verläuft gut und auch die Fahrt, jedoch mit ein paar Problemen mit dem Chauffeur, aber das ist im Kongo normal, dass nicht alles problemlos verläuft. In Tshumbe nach ewig langer Reise angekommen begrüßen mich alle freundlich und ich bin überglücklich alle wieder zu sehen. Jeder hatte schon Angst, dass ich gar nicht mehr komme. Ich fühle mich schon gleich wieder Daheim. Die ersten Tage schaue ich mir alles an, wie sie weitergearbeitet haben und kontrolliere alles gemeinsam mit Papa Fabien, höre mir an, was inzwischen passiert ist und kontrolliere die Rechnungen und Ausgaben für die Kinder. Dieses Mal wohne ich in unserem Helfer-Gebäude, das jetzt mit Hilfe von Papa Fabien fertig gebaut wurde, es befindet sich direkt hinter dem Kindergarten und schon besuchen mich viele Nachbarn und viele Kinder, über die ich mich riesig freue.

Ich treffe mich mit den Kindergärtnerinnen und plane gemeinsam mit ihnen den Kindergartenbeginn für dieses Jahr und schule sie gleich schon ein wenig ein. Sodass wir gut beginnen können, da dieses Jahr ja 62 Kinder da sind. Ich kopiere das pädagogische Handbuch von 50 Seiten, das ich im Sommer für die Kindergärtnerinnen zusammengestellt habe, um sie noch besser auszubilden und gebe jedem ein Exemplar davon. Dann treffen wir uns immer jeden Freitag nach dem Kindergarten und ich bilde sie ein wenig weiter mithilfe der Unterlagen.

Der Kindergarten beginnt und auch die Arbeit fängt richtig an. Es ist sehr viel los mit allen Kindergartenkindern, am Vormittag ist immer Kindergarten und am Nachmittag besuche ich die Kinder, schaue, wo die neuen Kinder wohnen, gebe ihnen die Patenbriefe, schaue mir an, wo sie schlafen und in welchen Verhältnissen sie leben.  Im Kindergarten gibt es immer viel zu tun, neue Spiele und Lieder einzuführen und den Wochenplan zu erstellen. Die Kindergärtnerinnen gut einzulernen, zu kontrollieren und zu beraten. Auch bei unseren anderen Mitarbeitern ist Kontrolle sehr wichtig, bei den Köchinnen, beim Wächter und auch bei unserem Koordinator. Aber das geschieht auch alles gemeinsam mit ihm, denn wenn ich wegfahre, soll er das alles anstatt mir machen. Auch die Kindergärtnerinnen werden so ausgebildet, dass sie danach alles alleine machen, denn der Kindergarten soll ja auch perfekt weiterlaufen, auch wenn ich nicht da bin.

Dann habe ich noch alle Materialien für unsere Krankenstation, speziell für das Labor zusammengesucht und gekauft, mit Hilfe eines Laboranten, der mir gesagt hat was ich alles brauche. Auch ein Mikroskop und ein Hemoglobinometer haben wir ausgehliehen für zwei Monate. So beginnt ein Laborant und ein Krankenpfleger dort zu arbeiten für unsere Kindergartenkinder, wenn sie krank sind werden sie behandelt und wenn keiner krank ist bringt der Krankenpfleger den Kindern Magnesiumchlorit und Zeolith, vor allem für das Calcium. Dann schauen sie noch alle Kinder so an, wer unterernährt ist, wer Hautprobleme hat, wer seine Fingernägel nicht geschnitten hat,…usw, so bis es allen Kindern gut geht. Es läuft, aber ich muss immer wieder nachkontrollieren und dabei sein. Wir testen die Blutgruppe bei allen Kindern und haben ein eigenes Heft, wo alle Daten der Kinder stehen, auch ein Foto von jedem und die Blutgruppe auch, sodass, wenn sie eines Tages eine Bluttransfusion brauchen, das nicht so selten in Tshumbe ist, gleich die Blutgruppe schon feststeht und es ein wenig schneller geht. Alle Kinder haben eine Stuhlprobe abgeben müssen, sodass der Laborant sie nach Parasiten im Bauch angeschaut hat, fast alle Kinder hatten welche, die wir dann alle mit Medikamenten behandelt haben. Auch einen HIV-Test hat der Laborant mit allen Kindern durchgeführt, gott sei Dank hat kein Kind Aids. Da bin ich heilfroh.

Ich habe wieder einige Elternabende veranstalten und den Bezugspersonen somit Informationen gegeben, was wir im Kindergarten machen. Jedes Kind hat auch ein Mitteilungsheft, um wichtige Informationen zu Hause mit zu teilen. Bei den Informationsabenden sage ich den Eltern welche Hilfe wir für den Kindergarten benötigen: Wasser bringen, Feuerholz bringen, Gartenarbeit, sich gegenseitig helfen, Uniformen waschen,… und noch vieles mehr. Ich teile ihnen Neuigkeiten mit und gemeinsam mit dem Laboranten und dem Krankenpfleger erklären wir ihnen, wie wichtig Hygiene ist, warum, und was genau sie dazu beitragen können.

Manchmal am Wochenende treffen sich alle Bezugspersonen und Mitarbeiter auch mit mir und wir arbeiten alle gemeinsam im Garten vom Kindergarten, der ganz zuvor ja eigentlich wie ein Dschungel war, so voll bewachsen. Nun pflanzen wir verschiedenes: Mais, Mango, Avocado, Bananen, Kochbananen, Süßkartoffeln, Ananas, Erdnüsse, Melonen, Maniokpflanze, andere verschiedene Blätter zum Kochen, Kürbis,….usw Manchmal musste ich mich auch mit Inspektoren, Behörden und Steuereintreibern beschäftigen, wobei mir die Steuereintreiber viele Probleme gaben, da hier leider alles korrupt vor sich geht. Wenn ich dann Hilfe suche beim Bischof, wo es für ihn das Einfachste wäre mir dabei zu helfen, denn er ist der Höchste, hat er mir auch nicht weitergeholfen, leider. Jedoch wurde unser Kindergarten von den Schulbehörden besichtigt und als Pilotenschule ausgezeichnet von allen Kindergärten und Schulen in Tshumbe. Am besten strukturiert und organisiert und ausgestattet. Ich, als Direktorin wurde als organisierteste und strukturierteste Direktorin in der ganzen Umgebung bekannt gemacht. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Von den Bauten her, haben wir den Backofen für den Kindergarten gebaut, den Spielplatz, die Essenslaube und zwei neue Toiletten für die Kinder, ein Mädchenklo, ein Jungenklo und das, was schon vorhanden war, als Mitarbeiterklo. Auch den Zaun haben wir gemeinsam mit den Bezugspersonen fertig gestellt. Alles mit Arbeitern und Menschen von Tshumbe, auch mit Materialien von Tshumbe. Der Spielplatz ist ein voller Erfolg, auch die Nachbarskinder kommen immer nachmittags um zu spielen. Auch über die Essenslaube haben sich die Kindergartenkinder riesig gefreut, endlich haben sie Bänke und Tische zum Essen. Die Köchinnen waren ganz begeistert vom Backofen, denn so können sie schneller kochen.

Dieses Mal war hatte ich schon manchmal Bauchweh und Durchfall, aber nicht so oft, wie beim ersten Mal, die Menschen sagten auch immer zu mir, dass ich schon eine von ihnen sei, eine richtige Kongolesin, nur halt in weiß eben. Haha Nur zum Schluss hatte ich dann öfter große Bauchschmerzen, aber da war dann eh Dr. Lechner schon da, um mich zu behandeln. Ich hatte diese Zeit wirklich ununterbrochen immer Stress, da es so viel zu tun gab, auch Samstags und Sonntags sind für mich keine freien Tage. Also manchmal wurde ich schon ein wenig depressiv, da einfach keiner da war für mich, dauernd neue Schwierigkeiten zu bewältigen, fast kein Kontakt zur Außenwelt und das alles ganz allein.

Bevor Dr.Lechner und Stefan Lackner ankamen habe ich alle Arbeiten im Kindergarten abgeschlossen für mich, schon alles erledigt, sodass ich mich dann nur auf die beiden konzentrieren kann, da ich alles auf Französisch und Deutsch übersetze. Also lief der Kindergarten schon die letzte Woche ohne mich weiter und das sehr, sehr gut.

Als die beiden in der Nacht ankamen, waren alle aufgeregt und ich freute mich riesig. Die beiden stiegen aus dem Auto aus und fragten als erstes, wie ich es denn hier her alleine geschafft habe und ob ich denn weiß, wo ich überhaupt bin, soooo weit weg von allem. Ich hatte endlich jemanden zum Reden und das war ein super Gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte. Gleich am darauffolgenden Tag wurde alles vorbereitet und organisiert, wir fuhren mit den Fahrrädern zum Markt, um noch letzte wichtige Besorgungen zu machen und dann ging es schon los. Dr.Lechner behandelte schon ein paar Personen und Lackner Stefan hat schon einen jungen zukünftigen Elektriker gefunden. Am nächsten Tag standen wir auf und um 06.00 Uhr in der Früh war schon das ganze Kindergartengelände gefüllt mit Menschen, die alle vom „Weißen Arzt“ behandelt werden wollten. Ca. 150 Menschen waren es und es wurde sofort begonnen. Dr.Lechner behandelte einen nach dem Anderen und zeigte dabei gleichzeitig dem Krankenpfleger und unserer Krankenschwester viele neue Dinge und Techniken. Unser Laborant, Pierre, war auch immer dabei und machte währenddessen Labortests, wo es nötig war. Ich war die ganze Zeit dabei zum Übersetzen.

Im Laufe des Tages behandelte Dr.Lechner mit den Mitarbeitern viele, viele Menschen, natürlich gratis. Und wir dachten, dass es normalerweise immer weniger Menschen werden sollten, doch es wurden immer mehr, die Menschenschlange wurde immer länger und es wurde jeden Tag bis zum Abend durchgearbeitet, nur die kurze Pause fürs Mittagsessen war dazwischen. Alle Fälle waren dabei, 8-Monate alte Verbrennungen schwersten Grades, verschiedene Tumore, Unterernährte Babys mit 12-jährigen Müttern, Parasitenkrankheiten, Malaria, Gastritis, Operationsnarben, Blinddarmentzündungen, Mittelohrendzündungen, Nasennebelhöhlenentzündungen, Infektionskrankheiten, Schilddrüsenüber- und unterfunktionen, Diabetes, Bluthochdruck, Klumpfüße, Geburtsverletzungen,…und noch vieles mehr. Alles wurde behandelt und viel wäre noch zu behandeln, denn die Menschen können sich leider die Behandlung im Krankenhaus nicht leisten, da es zu teuer für sie ist, dann gehen sie lieber zum Medizinmann. Denn wenn du kein Geld hast, dann kannst du auch direkt vor dem Krankenhaus sterben.  Außerdem gibt es in Tshumbe nur wenige medizinische Mittel und Geräte und auch wenige Doktoren, die sich wirklich gut auskennen, deshalb sind auch zb. Viele Menschen mit schweren Narben von Operationen gekommen.

Währenddessen hat Stefan Lackner, Jules als einzigen Elektriker von Tshumbe eingelernt.  Er hat gemeinsam mit ihm in der Krankenstation Licht gemacht. Drei große Leuchten mit Lichtschalter und Steckdosen befinden sich jetzt dort und das funktioniert alles mit einem kleinen Solarpanel. Auch alle medizinischen Geräte, wie Mikroskop, Ekg und Zentrifuge funktionieren einwandfrei. Ganz Tshumbe staunte über das Licht und den Strom, denn so etwas hatten sie noch nie gesehen. Auch der Junge, Jules hat sich riesig darüber gefreut und durfte sogar Licht in seinem eigenen Zimmer bei ihm zu Hause installieren, dass ihn überaus freute.

Nun sind wir wieder zu Hause und es war wieder eine erfolgreiche Zeit und ich vermisse die Kinder schon und freue mich auf das nächste Mal.

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