Volontärsbericht von Karin Trinkl, 2013

„ So viel ist sicher: Reisen tut immer gut“  (Voltaire)

Meine Reise nach Tshumbe!

Am Mittwoch den 27.März 2013 ging die Reise nach Tshumbe los. Nach anfänglichen Visaproblemen – startete das Flugzeug pünktlich um 07.25 Uhr in München, mit mir als Passagier.

Die Ankunft in Kinshasa war nachts so um 21.30Uhr. Raus aus dem Flieger, hieß auch gleichzeitig – raus aus dem Pullover! Es kam mir eine heiße, düstere, stickige, schwüle Luft entgegen. Wir (Aloisia Aufschnainter und ich) sind in Afrika gelandet und dass merkte man auch schnell. Der Flughafen ist alt und dreckig und entspricht bei weitem nicht dem europäischen Standard. In der Ankunftshalle wurde Pass und Impfpass kontrolliert und weiter ging es Richtung Kofferausgabe! Rund um uns standen sehr viele „Schwarze Menschen“, die einen enormen Lärmpegel bereiteten! Nachdem wir unser Gepäck vollständig wieder erhielten, wurden wir in ein Männerkloster gebracht, wo wir die erste Nacht verbrachten. Ab da wusste man, dass die nächsten Wochen keine Luxusreise werden wird. Ich habe trotzdem sehr gut geschlafen. Am nächsten Morgen fuhren wir schon um 05.30Uhr zum Flughafen. Ohne Hilfe der Einheimischen wären wir wahrscheinlich nie in Tshumbe angekommen. Chaos, Hektik, Lärm und unzählich viele Menschen standen zwischen den Gepäcksstücken. Nach einiger Zeit waren alle Formalitäten erledigt und es ging endlich ab ins afrikanische Flugzeug. Für ca. 2 ½ Stunden reine Flugzeit, gingen fast 8 Stunden auf, die wir mit Umsteigen und Warten verbrachten. Erst am späten Nachmittag landeten wir in Lodja auf einer Sandlandebahn. Wir wurden von einem Fahrer abgeholt und fuhren mit einem Geländewagen in Richtung Tshumbe. Doch leider spielte das Wetter nicht mit und wiederrum übernachteten wir erneut in einem Kloster. Es war gut, dass wir nicht weitergefahren sind, denn in der Nacht kam ein
heftiges Gewitter mit sehr starkem Regen. Bei dieser Fahrt und später auch im Kloster, lernten wir ein sehr unterschiedliches
Paar kennen. Er kam aus Schweden und Sie von Tshumbe. Der Altersunterschied der beiden ist so ca. 30Jahre oder mehr. Sie ist 20ig Jahre alt und er so geschätzte 55Jahre. Dieses Paar war auf dem Weg nach Tshumbe, um dort kirchlich zu heiraten. Sie hatten sich angeblich vor 2 Jahren in Tshumbe kennen und lieben? gelernt. An diesen Abend kamen die Großeltern der Braut in das Kloster und besuchten das unterschiedliche Paar. Dadurch erfuhren wir einiges über die Bräuche bzw. über die „Anforderungen der Verwandten“, wenn in diesem Land jemand heiraten will. Man muss den Eltern, Großeltern und Geschwister der Braut viele Geschenke machen, um sie heiraten zu dürfen. Das zu sehen war sehr interessant. Man merkte auch, dass Richard, der „Weiße Schwede“, mit diesen Anforderungen nicht gerechnet hat. Am nächsten Tag ging es um ca. 09.00 Uhr endlich mit dem Geländewagen weiter. 

Es wurden 15 Menschen in das Auto reingeschlichtet und dann fuhren wir los über Sand, Steine und Löcher! Die Straßen dort sind aus Sand und durch die starken Regenfälle werden immer wieder große Teile ausgeschwemmt. Es ist eine sehr
abenteuerreiche Fahrt geworden. Durch so ein Loch schaffte es der Fahrer nicht und wir sind mit dem Auto steckengeblieben. Viele Menschen, die gerade auf diesen Weg gingen eilten zur Hilfe um das Auto wieder auszugraben. Die ganze Aktion dauerte
über eine Stunde. Während dieser Zeit dachte ich mir immer wieder, „Wow wo findet man den bei uns zu Hause so viele helfende Hände, die selbstlos den anderen Hilfe anbieten“. Doch so ist es auch dort nicht, denn diese Leute wollten alle Geld dafür. Abends kamen wir endlich an unseren Zielort an und wurden sehr herzlich von Manuela und ihren liebgewordenen Leuten in Tshumbe empfangen. Mit Blumen geschrieben stand Yayo –was Willkommen heißt, vor uns am Boden! Nach der
Begrüßung bekamen wir ein Abendessen und bezogen unser neues Heim. Ein altes Haus, das vermutlich während der belgischen Koloniezeit aufgebaut worden ist. Jeder von uns hatte sein eigenes Zimmer, das mit einem Bett, einem Tisch und einen Sessel ausgestattet war. Das Badezimmer teilten wir uns. Das heißt das Plumpsklo das Waschbecken und eine nicht funktionierende Dusche teilten wir uns. Unsere Dusche war in diesen Wochen eine 500ml Trinkwasserflasche. Kaum waren wir in das Haus eingezogen, kamen auch schon die ersten Besucher. Es sprach sich natürlich unter der Bevölkerung herum, dass wieder zwei „Weiße“ kommen. Doch da wir von der Anreise ziemlich fertig waren, wurde relativ schnell die Bettruhe eingeleitet. Ab jetzt ging das Abenteuer „Entwicklungshilfe“ erst richtig los. So voll richtig erst nach dem Osterwochenende. Das erste Wochenende war nämlich das Osterwochenende. Am Ostersonntag gingen wir in die Kirche und feierten die Messe dort mit. Diese sind absolut nicht mit den Messen in Österreich zu vergleichen. Sie sind viel rhythmischer und bewegter als in Österreich und sie dauern viel länger. Nach dieser beeindruckenden Messe wurden Aloisia und ich den Bürgern von Tshumbe vorgestellt. Die Reaktionen waren unterschiedlich! Doch ein großer Teil der Bevölkerung zeigte eine gewisse Freude und Herzlichkeit!
Am Anfang der ersten Woche, lieferten wir Schulbänke, Sesseln, Regale, Bücher, Stifte u.v.m. zum Kindergarten. Leider waren die Kinder nicht da, weil Ferien waren. Daher hatten wir Zeit, dass Manuela und ich die Krankenstation einrichten konnten.
In einer Lehmhütte wurden drei, für österreichische Verhältnisse, kleine Räume als Krankenstation eingerichtet. Als Liege dient ein Schultisch ebenfalls als Ablage- und Vorbereitungstisch. Die ganzen Medikamente und Verbandsmaterialien staffelte ich
in ein Regal. Kaum angefangen zu arbeiten, kamen auch schon die ersten neugierigen Zuseher. Nachdem diese Station eingerichtet war, wurden am Ende der ersten Wochen die ganzen Kindergartenkinder von mir untersucht und ein Status erhoben, Kartei angelegt. Die meisten Kinder hatten große Angst vor dieser Untersuchung, da sie glaubten, es läuft hier alles so ab wie im Krankenhaus, indem immer Blut bei der Aufnahme abgenommen wird. Die Kinder hatten einfach Angst,         dass sie gestochen werden. 

Bei sehr vielen Kindern entdeckte ich Hautausschläge vor allem auf der Kopfhaut, die Zähne sind bei fast allen Kindern sehr schlecht und oft leuchteten viele schwarze Zähne hervor. Ohrenschmerzen, ein alt gebrochenes Bein, Herzrhythmusstörungen
und kleinere andere Leiden waren festzustellen. Am ersten Untersuchungstag wurde ich auch mit der stark ausgebreiteten Krankheit Malaria bekannt gemacht. Die typischen Anzeichen für diese Krankheit sind: zuerst Flanken- und Kopfschmerzen
und danach rasches Ansteigen der Körpertemperatur bis auf 40°C. In der zweiten Woche hatten die Kinder wieder Kindergarten. Von den Kindern wurde ich total herzlich und herzzerreißend begrüßt! Sie sangen für mich ein Lied und nahmen mich in ihre Mitte auf, als ob sie mich schon ewig kennen würden. Herrlich diese Herzlichkeit! Die Kinder spielen morgens im Freien und turnen spielerisch umher. Danach müssen alle Kinder ihre Zähne putzen. Später wird gelernt. Die Kinder lernen und sprechen im Kindergarten Französisch. Nach der Lehreinheit geht es immer zum Freispielen in den Garten, bevor dann das Mittagessen serviert wird. Um 12.00 Uhr werden die Kinder abgeholt oder gehen nach Hause. Nach einer mehr oder weniger langen Begrüßungsphase der Kinder am Morgen, arbeitete ich vormittags immer in der Krankenstation. Täglich kamen mehrere Kinder
vom Kindergarten mit kleinen Wehwehchen und Krankheiten. Zwei Kinder mussten wir ins Krankenhaus bringen, da sie eine sehr starke Form von Malaria bekamen. Im Krankenhaus bekam ich, als Krankenschwester, den ersten „Schockzustand“. Die
Notaufnahmestation, mehr oder weniger Intensivstation, ist ein dreckiger, kleiner Raum mit vier Betten, indem überall verschiedenste Utensilien, Medikamente und Müll umherliegen. Patienten werden in diesem Krankenhaus erst dann behandelt,
wenn sie selbst oder ihre Angehörigen, die Medikamente, Spritzen und Infundier Material von der Apotheke geholt haben. Die Krankenschwestern arbeiten mit ihrem eigenen kleinen Kind am Rücken, oder sie geben es einen Patient oder dessen
Angehörigen zum Aufpassen. Zuhause einfach unvorstellbar! Sehr schockiert hat mich auch, dass man nicht behandelt wird, wenn man nicht im Voraus bezahlt. Selbst bei Akutsituationen wird keine Ausnahme gemacht. -- Zahle und überlebe oder zahle
nicht und stirb! – So lautet die Devise dort. Ich, als Krankenschwester, kann zu der ganzen Situation nur sagen, dass was in Österreich zu viel gemacht wird, wird dort zu wenig gemacht. Ich durfte mir das ganze Krankenhaus ansehen und ich sah
überall das gleiche Bild von Unordnung und Dreck.

Da ein Pflegepersonal für unsere Krankenstation gesucht wird, kamen in der zweiten Woche täglich Krankenpfleger und Krankenschwestern zum Schnuppern. Ich sollte mir diese Menschen genau ansehen und beobachten wie sie arbeiten! Einige dieser Leute waren sehr gut und auch sehr sympathisch. An einer öffentlichen Eröffnung sollte es somit nicht an einer Pflegeperson scheitern. Im September sollte diese Krankenstation ja richtig eröffnet werden. Daher wird ein(e) engagierte(r)
französischsprechende(r) Arzt oder Ärztin aus Österreich gesucht, die im September mit Manuela nach Tshumbe fliegt, um diese Krankenstation zu eröffnen und die Pflegepersonen gut einlernt.

In der dritten Woche wurde das Projekt „Garten“ in Angriff genommen. Im Kindergartengarten wurden Gartenbeete nach österreichischer Art angelegt und verschiedene Pflanzen gesät, die Aloisia mitgenommen hat. Die Eltern bzw. Angehörigen von jedem Kind mussten bzw. müssen sich um so ein Beet kümmern. Mit diesem Projekt soll erreicht werden, dass die Eltern oder Angehörigen auch bei ihnen Zuhause solche Gärten anlegen und ebenfalls sollen die Kinder im Kindergarten dadurch abwechslungsreiches, gesundes Essen erhalten. Ein paarmal wurden wir, drei „Weißen“ bei den Einheimischen zum Essen eingeladen. Wenn man dort eingeladen ist, dürfen die Gäste essen und alle anderen sehen zu! Ein sehr seltsames Gefühl vor Zusehern zu essen. Die Leute bestellten einmal sogar Musiker also Trommler für uns, die für uns, wie der Name schon sagt,
getrommelt haben. Wir sollten zu dieser Musik tanzen. Dabei zeigten uns die Einheimischen was tanzen heißt. Diese Menschen haben den Rhythmus einfach im Blut! Ihr ganzer Körper bewegt so fließend und locker. Sehr Faszinierend! Dieses Rhythmusgefühl und diese Bewegungskunst waren echt beeindruckend. Ich könnte weiterhin sehr viele verschiedenste großartige Erlebnisse auflisten und über diese berichten. In diesen drei Wochen habe ich einfach so viele verschiedene
Erlebnisse erlebt und wurde mit so vielen tollen Augenblicken beschenkt. Diese Reise hat mir selbst enorm viel gebracht. Ich bin viel „Dankbarer“ geworden, denn mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Dinge nicht selbstverständlich sind. Es ist nicht selbstverständlich, dass reines, gutes Wasser aus einem Wasserhahn läuft. Es ist nicht selbstverständlich, dass man jeden Tag gutes Essen bekommt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man etwas zum Anziehen hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass man eine Arbeit hat, die noch dazu bezahlt wird…….
Weiteres möchte ich auch erwähnen, dass ich das Projekt „Zukunft für Tshumbe“ sehr sehr gut finde. Nicht, weil ich da mitgearbeitet habe, sondern weil ich es gesehen habe wie engagiert Manuela arbeitet. Sie hat das ganze Projekt extrem gut
ausgearbeitet und setzt es genauso gut um. Es ist super organisiert und es wird alles bis ins kleinste Detail kontrolliert. Die Paten bekommen gegenseitige Informationen. Briefe werden ausgetauscht und werden persönlich übergeben. Das ist alles Arbeit,
die keiner sieht und doch wird diese Arbeit mit viel Liebe ausgeführt. Manuela kümmert sich sehr gewissenhaft um die finanziellen Angelegenheiten und kümmert sich mitfühlend und mit ihrem großen Herz um die armen Kinder.
Danke Manuela – es ist so schön, dass es Menschen wie dich gibt!

„Gehe nicht, wohin der Weg dich führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist,                                                                   und hinterlasse eine Spur“ (Ralph Waldo Emerson) 

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