8.Reise Manuela, 2018

Meine 8. Reise nach Tshumbe und 10. Reise in den Kongo

Wo fange ich an? Und wo höre ich auf? Mit meinen Geschichten und Erzählungen von Tshumbe…, denn beginne ich mit einem Thema, schweife ich oder springe ich zum nächsten und nächsten und nächsten und höre nicht mehr auf. Es ist meine Begeisterung für das Leben in Tshumbe, meine Liebe zu den Menschen dort, mein Wille etwas auf zu bauen und mein Glück, all dies mit Tshumbe erhalten zu dürfen. Tshumbe ist für mich kein Ort und auch kein Job, es ist mein Leben, mein Herz, meine Familie, „mei Dahoam“.

Ich versuche in diesem Bericht nicht mehr alle Details aufzuzeigen oder alles Getane zu erledigen, denn ich denke, das könnte ich gar nicht. Allein schon aus einem Tag in Tshumbe könnte ich ein Buch schreiben, weil alles einfach so anders ist und abläuft, als wie in Österreich. Jeden Tag ist ein Abenteuer und eine neue Herausforderung, doch genau das liebe ich an Tshumbe. Darum werde ich ein paar Szenen und Fakten darstellen, um einen kleinen Einblick in mein Leben dort zu erhalten:

März/April 2018

Anfang März landete ich in Kinshasa, verbrachte kurz bei meinem Mann Kerby, der dort an der Amerikanischen Botschaft arbeitete und flog dann, gemeinsam mit Magdalena nach Lodja, um dann nach Tshumbe mit dem Auto weiter zu fahren. Jedes Mal wenn ich Tshumbe näher komme, schlägt mein Herz schneller und mein Lachen am Gesicht wird größer und glücklicher. Ich komme zurück – ich komme heim. Magdalena blieb für ungefähr sechs Wochen und das war für mich auch sehr schön, denn sie ist wirklich eine gute Gesellschaft für mich und auch für alle MitarbeiterInnen und Kinder in Tshumbe. Mit ihrer ruhigen und freundlichen Art ist sie überall willkommen und lieb gewonnen. Meine MitarbeiterInnen freuten sich besonders, dass nun endlich eine Volontärin wieder zurück nach Tshumbe kam, denn Magdalena war schon im Sommer 2015 kurz in Tshumbe und hat davon auch das „Tshumbe-Fieber“ davon getragen. Sie hat ein Verständnis für die Menschen vor Ort und respektiert sie, das haben alle hier sofort gemerkt und deshalb Magdalena in ihr Herz geschlossen. Mit ihrem unglaublichen fachlichen Wissen und ihrem großen Herzen hat sie unsere Projekte in Tshumbe wieder sehr bereichert – Fortbildungen in Kindergarten und Schule gemacht, mir bei allen möglichen (wie Inventuren, usw.) geholfen, Patengeschenke mit mir eingekauft, Mithilfe beim Einstellungsverfahren von neuer Kindergärtnerin und neuem Lehrer und sogar ein bisschen Stimmbildung mit mir gemacht (da ich jedes Mal die Stimme verliere, wenn ich nach Tshumbe komme-da ich einfach zu viel rede und dabei hart auf meine Stimmbänder presse).

Besonders stolz war ich auf unseren neuen Kindergarten, der ja leider viel länger für den Bau gebraucht hat als geplant, wegen Verspätung des Schiffes und somit der Baumaterialien (Verspätung von 9 Monaten – aber sowas ist im Kongo normal), den wir aber Anfang Mai komplett fertig gestellt haben. Er ist wunderschön und alle lieben ihn. Bei der Einrichtung war mir wichtig, dass lokale Materialien verwendet werden, keine Plastikstühle oder Plastiktische, sondern Baumstämme als Stühle und ein Querdurchschnitt eines Baumes als Tisch, eine Kuschelecke aus Lianen und selbst hergestellte Spiele aus Steinen, Nüssen und Stecken. In diesem Sinne danke ich nochmals unseren unglaublich tollen Sponsoren, der Familie Hilla aus Aurach bei Kitzbühel, die den gesamten Kindergartenbau gesponsert haben und sich mit ganzem Herzen für unsere Projekte einsetzen.

Einmal fuhr ich mit ein paar meiner Kinder nach Wembonyama, ein 18km entfernter Ort, der ein gutes Krankenhaus hat. Jedoch ist die Straße dorthin, naja…wie soll ich sagen, so manche/r würde sagen gar nicht vorhanden. Mit dem Motorrad ist es befahrbar und man fährt die Hügel auf und ab, überquert Brücken, die eigentlich nur Baumstämme sind und schon so morsch, dass man nur betet, steigt dann wieder vom Motorrad-und trägt die Kinder auf dem Rücken – denn sie haben Beinfehlstellungen und ich bringe sie zur Untersuchung – krempelt die Hose hoch und watet durch die Schlamm- und Regenmassen, bis wir wieder weiterfahren können.

Ein anderes Mal veranstalteten wir wieder einmal eine Elternbesprechung mit den Eltern und Bezugspersonen der Kinder, die einiges an Nerven bedarf, denn viele Kleinigkeiten, die in Österreich normal sind, müssen hier erklärt werden. Immer gibt es viele Fragen und Diskussionen, vor allem zur Kindererziehung – inzwischen nehme ich das alles mit einem Lachen, denn ich kenne die Menschen in Tshumbe gut und weiß ziemlich gut wie sie denken.

Geschichten, wie die vom Tod von Mathildes Schwester erschüttern mich dann immer wieder. Mathilde ist eine unserer MitarbeiterInnen seit dem Jahr 2013 und ist eine sehr liebenswürdige junge Frau – letztes Jahr hat sie ihren Mann durch einen plötzlichen Tod verloren und dieses Jahr ihre Schwester, die in Lodja plötzlich aus dem Leben gerissen wurde.

Oder auch der Tag an dem ich einen Anruf meiner Mutter erhielt, dass wir endlich Spendenabsetzbar sind und ich so glücklich war und nur Minuten später erhielt ich einen Anruf von meinem Mann, der mir schluchzend erklärte, dass unser lieber Fahrer Paul (er hat mir in Kinshasa mit Einkäufen und Dokumenten von Ministerien immer sehr geholfen) im Krankenhaus in Kinshasa gestorben sei und ich vor meinen Mitarbeitern zusammenbrach. Sie weinten mit mir, doch das allerschlimmste ist, dass auch dies ein Tod war, der nicht hätte sein müssen, der vermieden hätte können, doch im Kongo passiert so etwas alltäglich. Die Tage in Tshumbe sind also immer ein auf und ab.

Mai/Juni 2018:

Nachdem wir Magdalena Ende April verabschiedeten, planten wir schon für die Einweihungsfeier unseres neuen Kindergartens am 05.Mai. Es war ein wunderschönes Fest – viele Vorbereitungen, ca. 400 Gäste unter ihnen auch wichtige Persönlichkeiten der gesamten Provinz und alle waren /sind stolz auf unsere Arbeit. Bevor die Kinder dann den Kindergarten im Juni belebten hielt ich noch Fortbildungen für die Kindergärtnerinnen um ihnen den neuen Tagesablauf näher zu bringen, sie an die Räumlichkeiten zu gewöhnen und neue Lieder, Reime, Fingerspiele einzustudieren und selbst didaktische Materialien her zu stellen. Unser Kindergarten ist inzwischen der Beste der gesamten Region, die meisten sagen, der Beste der gesamten Provinz, doch da ich nicht alle Orte der Provinz selbst besucht habe, kann ich das nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube es auch. ????

Erfreulich war, als unsere Schneiderin Beatrice ihr zweites Kind auf die Welt brachte und den Jungen Kerby nannte, ich liebe es mich um unsere MitarbeiterInnen zu kümmern, denn sie kümmern sich auch um mich und besuche sie immer bei einer Geburt und bin ab und zu sogar als Hebammenhelferin dabei, so wie bei der Geburt der Zwillinge von Mama Atshe, die nur zwei Wochen nach Beatrice entbunden hatte. Bei ihrer Geburt fuhr ich um 14.00 Uhr nachmittags zur Geburtenstation (die eine einfache Lehmhütte ist) und kam um 06.00 Uhr am Morgen des nächsten Tages zu Hause an. Denn als es Komplikationen gab, mussten wir um 02.00 Uhr in der Früh zum Krankenhaus spazieren, wo sie einen Kaiserschnitt, noch in letzter Sekunde, erhielt und überrascht Zwillinge gebar.

Vor allem freute ich mich als endlich mein Mann, Kerby, mit dem Auto (er hat in Kinshasa einen Toyota Landcruiser gekauft) in Tshumbe ankam. Über eine Woche brauchte er für die lange Fahrt von ungefähr 2000 km und zum Schluss hatte ich mir schon große Sorgen gemacht. Als er ankam erzählte er mir, dass es gar keinen wirklichen Weg gab (aber einer bestimmten Strecke) und sie durch den Wald auf einen Berg fuhren und denn dann auch wieder runter mussten, rechts und links nur Klippen. Auf den Straßen sahen sie Kindersoldaten, Rebellen und im Wald verängstigte Menschen hervorkommen – ohne Kleidung und nichts – Angst vor den Rebellen. Ich war froh als er ankam und erschüttert als er mir sagte: „Manu, ich habe so viele arme Menschen gesehen, so extrem arme Kinder, das kannst nicht mal du dir vorstellen.“ Und obwohl die Kinder und Menschen schon in Tshumbe nichts haben, sind die Menschen die er gesehen hat, noch ärmer, denn es gibt praktisch keine Straße die zu ihren Dörfern führt.

Kerby hatte die letzten Jahre viel zusammengespart, um in Tshumbe etwas aufzubauen und auch um unser Privathaus dort zu bauen, dafür brachte er drei seiner Arbeitskollegen für den Bau aus Kinshasa mit, die uns halfen das Haus zu bauen.

Traurige Ereignisse waren der Besuch in Ohambe, dem Geburtsort meiner lieben Freundin Mama Aloki. Denn durch einen Streit von Dorfchefs ist das gesamte Dorf abgebrannt. Alle Lehmhütten vom Erdboden verschwunden, nur noch ein paar zerfallene Wände stehen. Ein Mann, der dabei sein Leben verlor, wurde einfach einbegraben, ohne Sarg und nichts, denn sie hatten nichts um ihn zu begraben. Die Familie weinend vor dem zerfallenen Haus, weinen um ihren Sohn und ihr Dorf. Doch der Rest des Dorfes – leer. Keine Menschenseele war mehr da, alle geflohen in die Nachbardörfer. So besuchten wir auch ein Nachbardorf, indem die Familie von Mama Aloki Unterschlupf gesucht hatte. Die Menschen dort nehmen alle auf, die kommen, auch wenn sie selbst nichts haben – es steht nicht zur Frage ob Menschen geholfen wird, das ist einfach normal. Auch die Krankenstation in Ohambe war wie erwartet – nichts darin, noch halbwegs stehend. Doch auch vor dem Brand war diese schon so – am meisten erschüttert mich immer wieder dass Namen großer NGO’s drauf stehen, die sehr viel Geld geben/haben, aber kein Geld haben um nach zu kontrollieren, wo das Geld wirklich hinfließt und dann entstehen Krankenstationen ohne Dächer, Wände, Medikamente oder Krankenbetten. Das ist bei den meisten Krankenstationen in Tshumbe und der Region so, denn dieses Mal habe ich einige besucht und angeschaut, überall fast nichts drinnen. Unsere kleine Krankenstation auf unserem Gelände hat die beste Ausstattung von all den Krankenstationen die ich gesehen habe. Auch das Krankenhaus in Tshumbe kostete mich auch dieses Mal wieder einige Nerven: wo man nicht einmal behandelt oder untersucht wird, denn man die medizinischen Handschuhe kauft oder keine Spritze erhält obwohl man das zu injizierende Medikament gekauft hat, aber keine Spritze hat. Wo man mit Malaria ins Krankenhaus kommt, aber kein Moskitonetz in der Nacht, das einem vor den Moskitos im Krankenhaus schützt uvm.

Auch mich hatte es dieses Mal in Tshumbe erwischt – keine Krankheit, denn ich bin schon an die Umstände gewohnt – doch verletzte ich mich an einem regnerischen Morgen. Es war Sonntag und ich wollte mir in der Früh (es war ungefähr 6 Uhr) eine Kokosnuss aufschneiden und als ich mit dem großen Messer das Kokosnussfleisch herausbrach, rammte ich mir dieses mit einem schnellen und harten Stoß genau zwischen Daumen und Zeigefinger. Zuerst dachte ich, es wäre nicht so schlimm, bis ich das große, tiefe Loch in meiner Hand sah und versuchte die Blutung zu stoppen und die Wunde zu säubern. Schlussendlich musste die Wunde genäht werden – das draußen vor meiner Lehmhütte – in diesem Augenblick war ich meinen Krankenpflegern wirklich sehr dankbar und noch einmal mehr wurde mir klar, dass ich besser organisieren müsste für solche Vorfälle, denn allein schon einen medizinischen Faden in Tshumbe zu finden, dauert etwa 3 stunden oder mehr. Zum Glück verlief alles gut.

Juli/August 2018:

Kerby erhielt einen überraschenden Anruf von der Arbeit, sie suchen ihn, damit er für einen Arbeitskollegen in Brazzaville (der Hauptstadt des anderen Kongos) für einen Monat einspringt. Spontan entschlossen nahm der den Job an, da wir das Geld dringend brauchten um mit unserem Hausbau fort zu fahren, und ich brauchte auch dringend Zeit um meine ganze Schreibarbeit zu erledigen (Website, Emails, Übersetzungen, Buchhaltung, Planungen,…) So reisten wir kurz vor Ende Juni ab und blieben nicht ganz ein Monat. Am 30. Juni erhielt ich jedoch schon eine schreckliche Nachricht von Papa Fabien – unser Kindergartenkind Ngodelive war gestorben. Sie war in Behandlung von Tuberkulose, da wir sie testen ließen im März und dann sofort mit der Behandlung im Krankenhaus starteten (Behandlung gegen Tuberkulose ist im Kongo gratis) Jedoch hat ihr kleiner Körper den Kampf aufgegeben, das ist für mich ein großer Rückschlag, der mit viel Trauer verbunden ist.

Am 2.Juli war Zeugnisverteilung und die Kinder wurden in die Ferien entlassen.

Brazzaville war komplett anders als Kinshasa. Man muss ja nur den Kongofluss mit einem Boot für ca. 10 Minuten überqueren und ist in Brazzaville, aber es kam mir vor, als wären wir in einer anderen Welt. Schaute mehr wie Europa aus, als wie Kinshasa. Sehr sauber und organisiert, bei weitem nicht so viel Armut wie in Kinshasa und wirklich sehr strukturiert, das war auch spannend zu sehen, wie es in einem anderen afrikanischen Land bzw. einer anderen afrikanischen Hauptstadt aussieht.

Nach unserem Aufenthalt in Brazzaville kehrte ich wieder nach Tshumbe zurück, jedoch konnte Kerby nicht mit, denn musste sofort zum nächsten Job, um diesen nicht zu verlieren – der war/ist in Kampala, der Hauptstadt von Uganda (auch hier an der amerikanischen Botschaft). So reiste ich wiederum allein nach Tshumbe und startete sogleich mit der Arbeit. Ich kann nicht wirklich erklären was genau meine Arbeit in Tshumbe ist, aber ich würde sagen, alles und noch vieeeel mehr. Aber ich liebe, dass ich mich in jedem Bereich weiterbilden muss um überall Bescheid zu wissen – ich bin eine Allrounderin und das wichtigste Wissen ist das Insider Wissen- das ich über die Jahre erhalten habe. Viel Management, Logistik, Projektleitung, MitarbeiterInnenaufsicht usw.

So begann ich mit dem Austeilen der Patenbriefe und Patengeschenke und somit der Hausbesuche der Kinder – was immens viel Arbeit ist, aber für mich auch sehr wichtig um nach dem Wohle der Kinder zu sehen. Neben den vielen Lehmbauten, die wir dieses Mal wieder tätigten (Tierställe, Wächterhütte, Büro, Lager, Nähwerkstätte, Küche, Essensraum und Krankenstation freute ich mich die neue Krankenstation in Betrieb zu nehmen und zu sehen, wie das neue Ultraschallgerät schon der ersten Patientin wahrscheinlich das Leben rettete. Der Landcruiser von Kerby half mir die Kinder mit Beinfehlstellungen in ein anderes Krankenhaus zu bringen zur physiotherapeutischen Untersuchung und ich gewöhnte mich langsam an das Fahren im Sand – ja es macht mir sogar großen Spaß. Toll war auch die leuchtenden Augen der Kinder (und Erwachsenen) zu sehen, als sie zum ersten Mal einen Film in unserem Kino schauten (mit einem Beamer draußen projeziert) oder auch den Fortschritt des Baus unserer neuen Sanitäranlagen (Klos) für den Kindergarten und die Grundschule zu sehen (gesponsert von der Amerikanischen Botschaft in Kinshasa).

Besonders gefreut habe ich mich, als Jil Streber, auch sie kam zum zweiten Mal, uns in Tshumbe für zwei Wochen besuchte. Sie ist aus Luxemburg, Anthropologin und arbeitet für eine luxemburgerische NGO, die unter anderem auch Projekte im Kongo haben und da sie sowieso in den Kongo „musste“ um die Projekte zu besichtigen, beschloss sie zwei Wochen davor Urlaub zu nehmen und diesen zu nutzen um uns wieder zu besuchen. Wunderschön war es zu sehen, als auch sie wieder ihr Patenkind Helena in die Arme schließen konnte oder Manuela, dem Patenkind ihrer Großmutter, liebe Grüße aus Luxemburg ausrichten konnte. Sie machte viele, viele Patenbesuche mit mir und Papa Shala, dabei war sie eine große Hilfe und bildete auch stets unsere Kindergärtnerinnen und LehrerInnen weiter. Ich habe mich sehr gefreut, wieder jemanden zum Austauschen zu haben und danke Jil dafür. Unglaublich toll fand ich, dass sie gemeinsam mit Mama Cheda von Kinshasa hier her reiste. Mama Cheda ist eine tolle Schneiderin, die ich in Kinshasa kennengelernt hatte und sie verbrachte drei Wochen in Tshumbe, in denen sie unsere Schneiderinnen weiter bildete. Das war wirklich eine sehr gute Bereicherung für sie und ich denke auch für Mama Cheda. Sie hat sich sofort eingelebt und keine Probleme mit den Nähmaschinen ohne Elektrizität gehabt, denn sie ist Kongolesin und arbeitet selbst mit solchen Maschinen. Die Fortbildung hat unsere Schneiderinnen sehr bereichert und zu richtigen Profis gemacht. Das Highlight der Zeit von Jil und Mama Cheda in Tshumbe war mit Sicherheit die Hochzeit von Papa Fabien (unser Koordinator) und Mama Aloki, die sie am 26.08.2018 feierten. Dafür spielte ich die Hochzeitschauffeurin und stellte die sogenannte Hochzeitskutsche (den Landcruiser) zur Verfügung. Die Kirche war komplett voll und der Gesang und die Tänze hallten durch das ganze Dorf. Aus der geplanten Fahrt am Abend nach Lodja, um Jil zum Flugzeug zu bringen, wurde nichts, als wir plötzlich erfuhren, dass ein Flugzeug in Tshumbe gelandet sei, wir ins Auto sprangen und ich zum „Flughafen“ raste. Der Flughafen in Tshumbe ist ein altes zerfallenes Gebäude ohne Fenstern und Türen und ohne jeglichen Materialien drin. Die Landebahn ist eine zugewachsene Sandstraße und Absperrung gibt es keine, daher waren auch hunderte von Kindern auf der Landebahn als wir ankamen. Als ging sehr schnell, der betrunkene russische Pilot (sind leider viele im Kongo) gab nicht sehr viel Auskunft, als ein Bekannter von mir uns half und Jil’s Koffer plötzlich durch die Luft wirbelte und im Flieger landete, eine kurze Umarmung zum Abschied und schon schlossen die Türen und es ging los. Ich betete und hoffte, dass alles gut ging für Jil. Als sie am Abend ankam, war ich heilfroh!! Nachdem sie abflog feierten wir noch den ganzen Tag die Hochzeit von Papa Fabien mit vielen Tänzen und Gesängen, das war wunderschön und auch einmal eine schöne Abwechslung.

Es gäbe noch so viel zu erzählen, wie den Gewittern und Stürmen in Tshumbe, der Gewalt an Frauen – gegen die ich unbedingt mehr vorgehen muss, den Elektrizitäts-und Internetproblemen, unserem neuen Grundstückskauf von einigen Hektaren, meine Füße und Beine, die täglich schmerzten, da ich gefühlte hundert Kilometer pro Tag zurücklege oder auch der Kindergarteneinschreibung für das neue Jahr, aber ich würde hier nie fertig werden.

September 2018:

Im September blieb ich noch die ersten zwei Wochen im Kongo, die erste Kindergartenwoche für die neuen Kinder war mit viel Tränen für die Kinder verbunden – denn sie mussten sich von ihrer Mama oder ihrem Papa trennen, aber nach der Woche hatten sie sich gut eingelebt. Es erfüllt mich mit Freude die Kinder glücklich zu sehen. Die Patenbesuche habe ich abgeschlossen und insgesamt über 160 Kinder besucht. Dieses Jahr startet mit 190 Kindern und 50 MitarbeiterInnen, ich bin stolz und glücklich über das was wir wieder geschafft haben. Die größte Herausforderung für mich ist immer noch an allen Orten gleichzeitig zu sein: im Kongo, bei meinem Mann und in Österreich werde ich gebraucht – in Zukunft möchte ich versuchen dieses Dilemma irgendwie in den Griff zu bekommen und besser zu strukturieren.

Der Abschied von Tshumbe war wie immer hart, jedes Jahr wird dieser härter und ich hoffe und bete, dass es meinen geliebten Menschen aus Tshumbe gut gehen wird. In Kinshasa verbrachte ich fünf Tage, erledigte noch einige förmliche Besuche und notwendige Einkäufe und kümmerte mich um Marc. Marc ist eines unserer Schulkinder, er ist Albino und ich habe ihn mit seinem Vater nach Kinshasa für die Behandlung geschickt, da er Hautkrebs hat. Er wohnt dort nun bei unserem Medizinstudenten Jules, der sich auch gut um den Jungen kümmert. Mit Marc mussten wir viele Untersuchungen machen und deshalb durch halb Kinshasa fahren um in dem Krankenhaus jenen Test zu machen und in dem anderen Krankhaus jene Untersuchung zu machen. Ich hoffe und bete auch für Marc, dass er diese Zeit übersteht und bald wieder zurück nach Tshumbe kann.

Nach meiner Zeit im Kongo flog ich Mitte September nach Uganda, zu meinem Mann. Hier nütze ich die Zeit um beispielsweise diesen Bericht zu schreiben, Jahresbericht zu verfassen, Buchhaltung, Projektanfragen zu tätigen, Patenbriefe übersetzen, Fotoalben organisieren usw. Gleich am Abend als ich ankam, war ich sehr positiv überrascht, das was ich sah, war ganz anders als im Kongo und das bestätigte auch meine weitere Zeit hier in Uganda. Die Überraschung war positiv, denn Uganda ist im Vergleich zum Kongo viel, viel weiter entwickelt und aufgebaut. Ich denke ich werde aus diesem Land und den Menschen auch einige Tipps und Erfahrungen mit in den Kongo nehmen und kann meine nächste Reise nach Tshumbe schon kaum erwarten.

Eine Freundin aus meinem Anthropologie-Studium sagte einst zu mir: „Manu, du hast nicht nur einen Full-time-Job, sondern einen Full-life-job“ Ja, und sie hat in irgendeiner Weise ziemlich recht damit, denn Tshumbe nimmt mein Leben voll und ganz mit ein, egal ob ich dort bin oder nicht, Tshumbe ist immer bei mir und ich tue alles für Tshumbe. Für mich gibt es keine geregelten Arbeitszeiten – denn für Tshumbe bin ich immer zur Stelle. Wenn ich dort bin arbeite ich sieben Tage die Woche jeweils 16 Stunden mindestens und am Ende bin ich oft erschöpft, vor allem mein Kopf ist es mit den ganzen Problemen und Schwierigkeiten. Doch ich liebe das Land und die Menschen und Tshumbe ist ein Teil von mir und ich bin ein Teil davon. Ich danke all den unglaublichen Menschen in Tshumbe, die mich so wunderbar aufnehmen und annehmen und danke all unseren Unterstützern für ihr Vertrauen in mich und mein Team! Vielen Dank!

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