Kwashiokor bei Olangi, Juni 2019

Heute am Vormittag, als ich gerade am Schulgelände war, kam eine Frau mit einem Kind daher spaziert. Das Kind hattte eine wirklich dicke Winterjacke an, nur das Gesicht guckte unter der Kapuze hervor. Die Frau meinte, dass der Junge krank sei und sie schon im örtlichen Krankenhaus und in anderen Krankenstationen waren, jedoch wurde sein Zustand nirgends besser. 

Daraufhin ging ich mit ihnen zu unserer Krankenstation. Der Junge heißt Olangi und ist etwa fünf Jahre alt. Seine Mutter ist, als er noch ein Baby war, gestorben und wo der Vater ist, weiß keiner so genau. Nun sorgt die Oma um Olangi. Als er nun seine dicke Winterjacke auszog war ich zuerst schockiert. Unter seiner Kapuze sah ich zuvor nur sein rundes Gesicht, doch nun kam sein unterernährter Körper zum Vorschein. Völlig abgemagert stand er energielos vor mir. Sofort war mir und auch unseren Krankenpflegern klar, dass er komplett unterernährt bzw. mangelernährt war. Die Haut war gefleckt und sich juckte ihn andauernd. An den Beinen und Händen hatte er dicke Ödeme, die ihm das Leben erschwerten. Wir fragten die Oma wie er denn in den anderen Krankenstationen behandelt  wurde und sie erzählte uns, dass er Medikamente erhielt, doch sich seine Situation nicht änderte. 

Das ist wirklich traurig, denn der Junge braucht vorwiegend eine ausgewogene und proteinreiche Ernährung. Wenn man ihn nur mit Medikamenten behandelt, doch seine Ernährung wird nicht umgestellt, wird sich auch nichts ändern. Olangi hat Kwashiokor, was eine Form der Mangelernährung ist. Ihm fehlt vor allem eine proteinreiche Ernährung. In Tshumbe essen die Menschen meist Maniokknödel (Fufu) oder Reis mit Maniokblättern (Jesse) und das 365 Tage im Jahr.

Zunächst haben wir einige Labortests mit Olangi in unserer Krankenstation gemacht, um heraus zu finden, ob er noch andere Krankheiten, wie Malaria, Typhus oder Amöbenruhr hat und begannen nun eine medikamentöse Behandlung gleichzeitig mit einer Nahrungsumstellung. Olangi erhielt von uns viel Soja, Eier, Fisch, Bohnen und Nüsse, die die Oma zu Hause selbst zubereitete. Jeden zweiten Tag kam er zu uns und die Oma half uns bei der Gartenarbeit, damit auch sie ihren Beitrag zur Behandlung von Olangi leistet. Schon nach einer Woche begann die Haut sich langsam zu verbessern und auch die Ödeme bildeten sich schrittweise zurück. Für mich ist das immer die größte Freude, zu sehen, wie wir Menschenleben, vor allem Kinderleben, retten können, und das mit wenigen Mitteln. Man braucht nur den Willen, das Wissen und den Mut dazu.

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