Präsidentschaftswahlen im Kongo, Jänner 2019

Bevor ich anfange, möchte ich klarstellen, dass ich eigentlich nicht gerne über die kongolesische Politik im Internet schreibe...weil, man weiß ja nie, wer das liest und in meinem Blog rede ich darüber auch aus persönlicher Sicht.

In den letzten Monaten gab es immer wieder Unruhen: schon als ich im Sommer im Kongo war, verließen viele "Expats" den Kongo, vor allem aus Angst und Unsicherheit vor dem Ungewissen was bevorstand oder eben nicht bevorstand. Ich versuchte so lange wie möglich zu bleiben, bis ich schlussendlich eingestehen musste, dass es besser ist, wenn ich das Land verlasse bevor es mit den Wahlen richtig losgeht. Schweren Herzens und mit viel Tränen musste ich meine Familie im Kongo (die Kinder und MitarbeiterInnen und Bezugspersonen der Kinder zählen für mich inzwischen zu Familie) im Kongo zurück lassen. Gar nicht denken wollte ich an das schlimmstmögliche "Outcome", aber dennoch war es notwendig noch während meiner Zeit in Tshumbe darüber zu reden und einen "Notfallplan" zu erstellen. Was wir tun würden, wenn Krieg ausbrechen würde (weil das leider eine realistische Möglichkeit war), wie wir die Menschen und Kinder retten würden und all das... (will diesen Notfallplan jetzt nicht veröffentlichen - da er dann ja nicht mehr sicher wäre) Während wir realistisch darüber nachdenken mussten, kamen wir des Öfteren die Tränen, denn es war für mich so schlimm, mir vor zu stellen, was alles passieren könnte und wie es meiner geliebten Mama Aloki, Papa Fabien, den Kindern Jean oder Aimerance oder dem verschmitzten Michel gehen würde ...da ich ein grundlegend positiver Mensch bin, möchte ich nicht gerne negativ denken, aber manchmal muss man alle Optionen durchdenken um im Falle der Fälle vorbereitet zu sein. Schlimm war außerdem noch für mich, dass meine MitarbeiterInnen aus Erfahrung sprachen, da sie vor nicht allzu vielen Jahren Krieg miterlebt haben und unvorstellbare Gräueltaten mitansehen oder durchleben mussten.

Nun ja, geplant war dann der 23.Dezember als Wahltag - der wurde allerdings dann wieder verschoben, jedoch nur für eine Woche - was Gott sei Dank - keine Unruhen auslöste. Und dann am 30. Dezember fanden die Wahlen sogar statt, ich kann es jetzt noch immer nicht fassen, dass diese nach so langer Zeit endlich stattfanden. Allein schon dass Hoffnung besteht und dass die Möglichkeit für Veränderung nun offen war - ich denke, das ist eine der tollsten Dinge für die Kongolesen: endlich wieder Hoffnung zu haben!

Als ich Papa Fabien gleich am 01. Jänner anrufte, meinte er alles sei gut verlaufen, sie sind nun gespannt was dabei raus kommen würde: das Resultat sollte Mitte Jänner veröffentlicht werden (Hmm...so viel Zeit..?? Genug Zeit um ich weiß nicht was alles zu tun...?) Die drei Hauptkandidaten waren: Felix Tshisekedi, der die Oppositonspartei seines Vaters übernommen hatte, Martin Fayulu - der viel in der Welt herumgereist ist (auch ich hab ihn mal in Wien kennengelernt - da wusste ich noch nicht, dass er in einigen Jahren wirklich als Präsidentschaftskandidat antreten würde) und Emmanuel Shadary - der ausgewählte Kandidat vom jetzigen Präsidenten Joseph Kabila.

Leider waren sehr viele Kongolesen nicht an der Wahl beteiligt, einerseits weil einige Städte nicht durften, andererseits weil einige sich weigerten mit den Voting-Maschinen zu voten (da schon seit Monaten im Kongo darüber diskutiert wurde, ob damit das Ergebnis gefäscht werden würde oder nicht) und meiner Meinung nach könnte es da noch einen dritten Grund geben: die Analphabetenrate - die sehr hoch im Kongo ist: allein wenn ich an Tshumbe denke, dann weiß ich dass die absolute Mehrheit nicht lesen und schreiben kann, wie sollen sie wählen, wen sollen sie wählen? Woher erhalten sie Informationen und wie gehen sie damit um, sind es richtige Informationen oder nicht? Als ich Papa Fabien fragte, wie denn die Menschen gewählt haben, die nicht Lesen und Schreiben können, hat er mir erklärt, dass bei den Wahlmöglichkeiten ein Foto von dem jeweiligen Kandidat dabei ist, aber woher weißt du wie die Kandidaten aussehen...Fernseher hat ja auch fast keiner. Ja wenn sie dir dann erklären, das ist der und das ist der, wie entscheidest du dann? Wer ist "gut" und wer "nicht"? Wer könnte etwas verändern, etwas verbessern im Kongo? Schwer zu sagen! Aber dazu muss ich auch sagen, dass auch ich bis jetzt noch nicht weiß wer wirklich für die Menschen im Kongo ist. Man kann ja vor der Wahl immer alles mögliche versprechen...vor allem in einem Land wie die D.R.Kongo, aber ob man die Versprechen dann hält oder schlussendlich ganz etwas anderes macht, dass ist im vorhinein unklar.

Gewonnen bei den Wahlen hat dann Tshisekedi, knapp hinter ihm Fayulu. Jedoch hat sich der dann beklagt, dass die Wahlergebnisse gefälscht wurden, ob das so war oder nicht: ich habe keine Ahnung. Und nun schauen wir mal wie es weitergeht. Ich hoffe auf jeden Fall dass alles halbwegs ruhig vorangeht und vor allem friedlich und wir (Kerby und ich) bald wieder nach Tshumbe reisen können.

Hier noch einen Link zu einem BBC Artikel darüber, wo genauere Daten drinstehen:

https://www.bbc.com/news/world-africa-46856660

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