Covid-19 auch in der D.R.Kongo, März 2020

Manuela Erber-Telemaque

Covid-19 ist nicht nur in der westlichen Welt eine enorme Herausforderung, sondern und besonders im globalen Süden, zu dem auch der Kongo gehört.

Liebe Freunde, UnterstützerInnen und Interessierte,

 
in den letzten Wochen und vor allem in den letzten Tagen erleben wir alle Situationen, die wir uns nie vorstellen konnten. Für viele ist dies eine sehr schwierige Zeit, in der Herausforderungen gemeistert werden müssen und jede/r von uns auf einiges verzichtet, zum Wohle aller. 
Wir hoffen es geht euch trotzdem allen gut und ihr seid und bleibt gesund. Wir bedanken uns schon jetzt, dass ihr uns auch in dieser Zeit unterstützt und auf die Kinder und Menschen in Tshumbe aufdenkt, denn auch für uns ist es nun nicht sehr einfach!
 
Ich bin am Dienstag, den 10.03. zurück aus dem Kongo gekommen mit vielen Plänen und Terminen, die sich jedoch innerhalb von ein paar Stunden stark änderten. Nun sind auch wir in Quarantäne, doch da dürfen wir uns gar nicht beschweren, denn auf unserem Bauernhof gibt es immer genug zu tun und auch ich hab ständig Berge von Dokumenten und Berichten zu bewältigen.
 
Doch wir sind in Sorge, um die Menschen im Kongo und vor allem unsere Mitmenschen in Tshumbe. Derzeit gibt es 23 bekannte Corona Fälle in der Hauptstadt Kinshasa, jedoch ist es in solchen Ländern viel schwieriger zu sagen, wie viele Menschen wirklich krank sind, denn viele Menschen können es sich nicht leisten in ein Krankenhaus zu gehen oder solches ist schon gar nicht vorhanden. Auch eine Ausgangssperre ist Kongo enorm schwer durch zu setzen, da die Menschen kein Geld haben, um sich einen kleinen Lebensmittelvorrat kaufen zu können, denn sie müssen täglich um ihr Überleben kämpfen. Schwierig ist es vor allem auch in Slums, wie in der Hauptstadt Kinshasa, wo viele Menschen eng beieinander leben.
 
Auch in Tshumbe beginnt nun eine noch schwierigere Zeit für die Menschen, als sie sonst schon haben. Am Donnerstag verkündete der Präsident, dass alle Schulen und Universitäten geschlossen werden und die Menschen, wenn möglich, nicht viel raus gehen solten. Am Freitag in der Früh mussten wir unseren Kindern und MitarbeiterInnen das erklären, alle waren immens traurig. Die Kinder weinten sehr und auch unsere MitarbeiterInnen brachen in Tränen aus, wenn ich schon daran denke, kommen auch mir die Tränen und es zerbricht mir das Herz. In einem Dorf wie Tshumbe hat so etwas fatale Folgen, denn die Familien können nicht daheim bleiben und abwarten, sie müssen auf die Felder, um zu ernten und zu arbeiten. Wenn die Menschen das nicht tun können, haben sie nichts zu essen, denn sie sind Selbstversorger. Mit der Zeit gibt es dann auch keine bzw wenige Lebensmittel auf dem Markt und die Lebensmittelpreise werden steigen, wo ja jetzt schon so viele Menschen hungern. Medikamente kommen von der Hauptstadt, wenn auch das nicht mehr funktioniert sind die Menschen verloren, es gibt keine Schutzmasken und schon seit Jahren können sich die Menschen keine medizinischen Handschuhe leisten, ganz zu schweige von ordentlichen Krankenhäusern, wenn überhaupt irgendetwas vorhanden ist. 
 
All das macht mir enorme Sorgen, denn es geht hier um das Überleben von so vielen Menschen und nun stehen auch wir in Österreich in einer schwierigen Situation, wo auch die Spenden stark zurück gehen, genau wenn es am Dringensten benötigt wird. 
 
Wir verstehen, dass nun alle in einer Situation sind, die man sich nie hätte vorstellen können und dies viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Wir hoffen jedoch trotzdem, dass diejenigen, die noch die Möglichkeit haben auch die Kinder und Menschen in Tshumbe nicht vergessen. 
Wir danken euch allen, dass ihr uns in dieser Zeit treu bleibt, ihr wisst gar nicht, wie viel mir das bedeutet und wie enorm dankbar ich und wir alle (besonders die Menschen in Tshumbe) euch dafür sind!
 
Nun ein paar Zeilen über das, was wir in den letzten Monaten wieder erreichen konnten und unten noch Links zu zwei Fotoalben von unseren Schulkindern und Kindergartenkindern!
 
In der letzten Zeit hat sich in Tshumbe wieder viel getan: der Bau des Zentrums für lokale Zusammenarbeit ist beinahe abgeschlossen; die Wände stehen schon hoch beim Bau unseres 2.Schulgebäudes;  Unseren LehrerInnen der Grundschule konnte ich wieder tolle Fortbildungen geben; in unserer Nähwerkstätte produzieren wir nachhaltige Damenbinden für Frauen in Tshumbe; unsere Krankenstation ist zu einer wichtigen Anlaufstelle für Mütter und deren Babies und Kinder geworden, nicht nur in der medizinischen Untersuchung und Behandlung, sondern auch im Bereich Unterernährung und auf unserem neuen Land wird fleißig angebaut.
 
Aber auch Schicksalsschläge gab es für unser ganzes Team: am 12. Jänner wurden weitere vier Personen in Tshumbe in ihrer Lehmhütte tödlich vom Blitz getroffen; der vierjährige Bruder eines unserer Schulkinder starb am 26.Jänner an Typhus; in der Krankenstation erhalten wir nach wie vor Menschen, die mit immensen Wunden oder Abszessen zu uns kommen und oft zu spät von uns erfahren haben; die Straße nach Tshumbe hat sich verschlechtert, da nun auch die Flussüberquerung nicht mehr möglich ist (Fähre ist kaputt) und die komplette medizinische Versorgung in Tshumbe ist nach wie vor unzureichend für die vielen tödlichen Krankheiten, mit denen die Menschen umgehen müssen.
 
Aber nun ein paar Fotos von unseren Kindern vom Februar. Wir hoffen euch dadurch auch in dieser Zeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern!

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